SeSiSta 2020

SeSiSta 2020

Vor 2 Jahren haben wir das erste Mal mit dem Team von SeSiSta gearbeitet. Auch in diesem September schulen wir alle Kinder der Klasse 1-4. Details können Sie unten stehendem Bericht des Echos entnehmen. Eine Ergänzung unsererseits. Für die finanzielle Unterstützung des Projekts danken wir neben der Sparkassenstiftung Starkenburg auch unserem Förderverein! Dieser hat SeSiSta ebenfalls finanziell unterstützt, so dass der Elternbeitrag gering gehalten werden konnte. Vielen Dank!


Bericht von echo-online.de:

Heppenheim: Gewalt-Präventions-Programm in der Grundschule

Jürgen Mörixbauer ist mit seinem Programm „SeSiSta“ zu Gast in der Schloss-Schule. Durch das richtige Auftreten lernen die Kinder, Übergriffe nicht zuzulassen.

Von Astrid Wagner

Kinder der Schloss-Schule lernen in einem Präventionsprogramm, durch ihr Auftreten Übergriffe nicht zuzulassen. Foto: Sascha Lotz

Kinder der Schloss-Schule lernen in einem Präventionsprogramm, durch ihr Auftreten Übergriffe nicht zuzulassen. (Foto: Sascha Lotz)

HEPPENHEIM - „Ich will das nicht!“, schallt es laut aus dem Klassenraum der 3 B der Heppenheimer Schloss-Schule. Die Tür steht offen. Fast klingt es, als wäre dort im zweiten Stock der Schule eine kleine Revolution ausgebrochen. Komisch. Für jedes „Nein“, das da laut und rigoros erschallt, gibt es sogar ein Lob. Was ist da los?

Jürgen Mörixbauer ist mit seinem Gewalt-Präventions-Programm „SeSiSta“ zu Gast in der Heppenheimer Grundschule. Und das nicht zum ersten Mal. „Selbstbewusst, sicher und stark“ will er die Mädchen und Jungen machen. „Kinder können sich physisch nicht wehren, höchstens beißen“, sagt der Kampfkunstlehrer.

Selbstverteidigung ist also in diesem Alter noch keine echte Alternative. Dennoch haben es die Kinder durchaus in der Hand, durch das richtige Auftreten, eine laute Ansprache und das Aufmerksammachen Dritter, Übergriffe nicht zuzulassen.

Befrage er Kinder, so Mörixbauer, wie jemand aussieht, der böse ist, dann erhalte er immer wieder die gleichen Antworten: „Er sieht böse aus. Er ist schwarz angezogen, er ist immer ein Fremder und bewaffnet.“ Die Realität sieht freilich anders aus: 90 Prozent aller Übergriffe finden im persönlichen Umfeld eines Kindes statt.

Für die Schüler der 3b ist es bereits der dritte „SeSiSta“-Kurs. Nach dem Erfolg des ersten Teils hatten deren Eltern entschlossen, einen weiteren selbst zu finanzieren. Diesmal kommen wieder alle Schüler der Schloss-Schule in den Genuss der lehrreichen Stunden: Die Sparkassenstiftung Starkenburg hat das Projekt finanziert.

Das bereits in den vorherigen Gelernte kam bei den Mädchen und Jungen wie aus der Pistole geschossen. Sie wissen gute und schlechte Angst zu unterscheiden, haben gelernt, auf ihr „Igitt-Gefühl“ zu hören. „Gewalt ist niemals eine Lösung, schlagen ein Zeichen von Schwäche“, erklärt Mörixbauer. Sich reimende Merksätze kennen die Kids aus dem Effeff: „Fühl ich ein Igitt, mach ich das nicht mit!“, rufen die Grundschüler im Chor.

Jemand will einen anfassen, aber man möchte das nicht? „Hören Sie auf! Lassen Sie mich in Ruhe! Ich will das nicht!“, schreien die Kinder Mörixbauer entgegen, der den Bösen mimt. „Das gehört mir und nicht dir!“ Und dann geht es los mit den praktischen Beispielen. Manchen Menschen gibt man gerne die Hand, bei anderen hat man das besagte „Igitt-Gefühl“. Eltern sollten hellhörig werden, wenn ein Kind sich vehement dagegen wehrt, jemanden die Hand zu geben.

Die Schüler lernten, wie man eine Hand, die nach einem greifen möchte, abweist – mit den laut und deutlich gesprochenen passenden Worten dazu. „Wenn jemand das auf der anderen Straßenseite mitbekommt, dann fällt das auf.“

Was tun, wenn einer auf einen zugeht und einen vom Weg abdrängen möchte? Leise sagen „jetzt“, aber so, dass der andere das hört, Blickkontakt halten – niemals wegschauen, das wäre schlechte Angst –, besser böse blicken, Kopf gerade, aufrechte Körperhaltung und mit dem Zeigefinger genau auf das Auge des Gegenübers deuten und dann noch ein lautes „Stopp“ folgen lassen.

Da wurde es laut im Klassensaal, als alle in Zweiergruppen den Ernstfall probten. Gemeinsam mit Drittklässlerin Nele demonstrierte Mörixbauer eine Übung nach der anderen. Naila bekam für ihr selbstbewusstes und rigoroses Auftreten nicht nur ein Lob vom Kampfkunstlehrer. „Du könntest Schauspielerin werden“, freute sich Lehrerin Nadine Eßinger.

Die Mädchen und Jungen waren mit Feuereifer bei der Sache. „Jetzt weiß ich, was ich tun muss, wenn mich ein Fremder anfasst“, sagte ein Kind. „Jetzt, wo wir wissen, wie das geht, können wir das auch anderen beibringen“, so ein Mädchen. Und Ole findet es gut, „weil man sich jetzt selbst wehren kann.“